Qualitätsbilanz
Grundsätzlich gilt im Bereich Softwareentwicklung, dass aus einer positiven Beurteilung des Prozesses, unter dessen Einhaltung ein System entwickelt wurde, auf eine positive Qualität des Resultats („Die Prozessqualität bestimmt die Produktqualität“) geschlossen werden kann. Der Umkehrschluss ist allerdings hier nicht grundsätzlich zulässig, d.h. ein nicht definierter Prozess kann – muss aber nicht – zu einer schlechten Produktqualität führen.
Da die praktische Erfahrung gezeigt hat, dass nicht die Mehrzahl aller Organisationen über einen definierten Entwicklungsprozess verfügt – bzw. dessen Einhaltung lückenlos dokumentiert – wurde aus der Überlegung, wie eine Aussage über die Qualität eines Softwareproduktes auf einem anderen Weg als über die Beurteilung des Entwicklungsprozesses getroffen werden kann, die Qualitätsbilanz definiert.
Sie bewertet sämtliche Aspekte des Entwicklungsprojektes, beginnend bei dem Vorhandensein und der Einhaltung eines Entwicklungsprozesses, den vorhandenen Projektmanagement-Unterlagen sowie der Entwicklungs-Dokumentation – wobei deren Nicht-Vorhandensein zwar in der Bewertung berücksichtigt wird, aber im Gegensatz zu einem Prozess-Assessment nicht zum Abbruch führt. Ein Schwerpunkt liegt auf stichprobenartigen Code-Reviews, wobei die untersuchten Dokumente mit Hilfe von aussagekräftigen Metriken ausgewählt werden. Zusätzlich werden auch Fehler-, Konfigurations- und Änderungsmanagement beurteilt und es fließen aus Tests und dem eigentlichen Betrieb gewonnene Kennzahlen in die Gesamtbewertung ein.
Die TTQB (TechTalkQualitätsBilanz) stellt somit eine einfache und kostengünstige Möglichkeit dar, die Qualität eines konkreten, bereits fertig gestellten Software-Produktes zu beurteilen – einerseits um im Falle eines zugekauften Produktes eine unabhängige Bewertung des Produktes zu erhalten und andererseits – im Falle von selbst entwickelten Systemen – eine Stärken/Schwächen-Analyse des Ergebnisses sowie des Weges, der zu diesem Produkt führte, zu bekommen und daraus Verbesserungsmaßnahmen für die eigene Organisation ableiten zu können ohne die Komplexität eines Vorgehensmodells wie CMMI oder SPICE und eines zugehörigen Assessments in Kauf nehmen zu müssen.